{"id":9,"date":"2023-03-23T22:09:47","date_gmt":"2023-03-23T21:09:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/?p=9"},"modified":"2023-03-23T22:09:47","modified_gmt":"2023-03-23T21:09:47","slug":"bolivianischer-kaffee-und-die-todesstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/?p=9","title":{"rendered":"Bolivianischer Kaffee und die Todesstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir sind unterwegs in den Stra\u00dfen von Cochabamba, Bolivien. Kurz vor der Plaza \u201e14 de Septiembre\u201c entdecken wir ein kleine, recht leere, aber modern aussehende Kaffeebar. Wir bestellen uns einen Kaffee. Nirgendwo steht, wo der Kaffee herkommt \u2013 aber er wird in einem Handfilter aufgegossen und auf der Theke stehen Kaffeem\u00fchle, Siebtr\u00e4germaschine und Equipment f\u00fcr andere Zubereitungsarten. Wir nehmen einen Schluck \u2013 das ist Spezialit\u00e4tenkaffee, eindeutig. Wir fragen nach der Herkunft und die Bedienung l\u00e4chelt bescheiden. \u201eVon hier.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Von hier bedeutet: etwa 500km n\u00f6rdlich von Cochabamba, mindestens 12 Autostunden entfernt, im Departamento La Paz, Provinz Caranavi. Irgendwo in den Yungas aus einer kleinen Gemeinde, vielleicht 30 oder 40 Einwohner. Diese haben die \u201eterrenos\u201c, das Land ihrer Eltern und Gro\u00dfeltern \u00fcbernommen. Es wird hier nicht ausschlie\u00dflich Kaffee angebaut \u2013 das rentiert sich einfach nicht. Bananen, Zitrusfr\u00fcchte, Kakao und andere Nutzpflanzen haben hier ebenso ihren Platz. Und der Kaffee profitiert davon: sowohl von dem Schatten, den ihre Bl\u00e4tter spenden, als auch von den Aromen. Kaffee ist eine Pflanze, die gerne im Schatten w\u00e4chst und gedeiht und dabei viel indirektes Sonnenlicht abbekommt. Kaffee nimmt au\u00dferdem leicht andere Aromen an. Und das ist im Spezialit\u00e4tenkaffeesegment von Vorteil: je komplexer die Aromen, je fruchtiger der Flavour und je besser er einer bestimmten Frucht zugeordnet werden kann, desto mehr Punkte erh\u00e4lt ein Kaffee. Und desto besser schmeckt er in der Tasse. Aber eins nach dem anderen: hier w\u00e4chst erstmal eine eigene Frucht. Die Kaffeekirsche.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Kirsche erscheint erst in gr\u00fcnlicher, dann in r\u00f6tlicher Form an der Kaffeepflanze und im besten Fall, wenn sie oft beschnitten wird und die klimatischen Bedingungen stimmen, tr\u00e4gt eine solche Pflanze ganz viele Kirschen. Deren Samen werden Kaffeebohnen genannt. Der Kaffee w\u00e4chst also an Str\u00e4uchern, bzw. B\u00e4umen. Es ist viel Arbeit, bis die Samen vom Fruchtfleisch getrennt, sortiert und getrocknet sind. Ist es aber soweit, m\u00fcssen sie f\u00fcr den Export irgendwie nach La Paz gelangen. Und von dort irgendwie an einen Hafen transportiert werden. Aber hier haben wir schon die erste H\u00fcrde: Bolivien hat keinen Hafen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bolivien hat kein Meer.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das war nicht immer so und der Verlust des Meerzugangs an Chile ist ein bitteres Kapitel in der bolivianischen Geschichte und ber\u00fchrt heute noch \u2013 nach \u00fcber 100 Jahren \u2013 die Menschen hier. Also besser nie einen Bolivianer auf das verlorengegangene Meer ansprechen! Jetzt wird der Kaffee halt ins Nachbarland gebracht, mit ein paar logistischen H\u00fcrden: erstmal muss er aus dieser unzug\u00e4nglichen Region heraustransportiert werden: aus den Yungas nach La Paz, von wo es weiter auf einer internationalen Hauptstrasse geht. Daf\u00fcr musste der Kaffee seit den 1930er Jahren die \u201egef\u00e4hrlichste Strasse der Welt\u201c passieren. Den Camino de la Muerte. Die Death Road, die Todesstra\u00dfe. Abh\u00e4nge, die bis zu 3.600m in die Tiefe reichen und eine Schotterpiste, teils so eng, dass zwei Fahrzeuge einfach nicht aneinander vorbeipassen. Ob die Stra\u00dfe ihren Namen davon hat, dass so viele Arbeiter bei deren Konstruktion gestorben sind oder weil so viele Fahrer dort samt ihren Fahrzeugen in die Tiefe gest\u00fcrzt sind? Wahrscheinlich letzteres. Und st\u00fcrzt das Fahrzeug, st\u00fcrzt auch die Ladung. Man \u00fcberlegte sich also zweimal oder \u00f6fter, ob ein so gef\u00e4hrliches Unterfangen sich f\u00fcr KAFFEE lohnen w\u00fcrde \u2013 ein Produkt, das in den 40er Jahren 10mal weniger wert war als Coca. Und es immer noch ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Coca statt Kaffee \u2013 Exportschlager nicht erst seit den 40ern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Coca war und ist auch heute noch eins der st\u00e4rksten Exportprodukte Boliviens. Aus Coca wird Kokain produziert. Dieses Endprodukt ist zwar nicht legal, aber durch die gro\u00dfe Kaufkraft vor allem in den USA und Europa lie\u00dfen sich Wege und Mittel finden. Coca ben\u00f6tigt exakt dieselben klimatischen Bedingungen wie Kaffee. Aber Coca war gr\u00fcnes Gold und Kaffee war\u2026 naja. Die Bohnenqualit\u00e4t von bolivianischem Kaffee war niedrig, die Produktion sehr gering. Erst 2001 startete USAID, das Ministerium f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit der Vereinigten Staaten von Amerika, ein Programm in Bolivien, denn sie erkannten das gro\u00dfe Potential von bolivianischem Kaffee: sie schickten ausgebildetes Personal f\u00fcr Trainings nach Bolivien und zeigten bolivianischen Kaffeeproduzierenden wie sie ihre Produktion steigern und h\u00f6here Preise f\u00fcr ihre Bohnen erlangen k\u00f6nnten. Zu dieser Zeit war die dritte Kaffeewelle, die \u201ethird wave\u201c in den USA schon in vollem Gange \u2013 und kleine Spezialit\u00e4tenr\u00f6stereien begannen, die exklusiven Bohnen aus Bolivien zu importieren und zu r\u00f6sten. Bald folgten R\u00f6stereien aus England, Schweden, der Schweiz und der ganzen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>2006 wurde eine Parallelstra\u00dfe der \u201eTodesstra\u00dfe\u201c fertiggestellt \u2013 eine sicherere Alternative.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Kaffeepreise jahrelang an der B\u00f6rse auf einem niedrigen Niveau geblieben sind und die Kaffeebauern nicht einmal ihre Kosten davon decken konnten, sind sie seit der Corona Pandemie enorm gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig gibt es immer mehr Spezialit\u00e4tenr\u00f6stereien wie Caraya Coffee, die Kaffeeproduzierenden einen fairen Preis bezahlen, der ihre Produktionskosten decken soll \u2013 unabh\u00e4ngig von der B\u00f6rse und im globalen Norden erstellten Siegeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir glauben an gerechte Bedingungen f\u00fcr alle, die an der Produktion von Kaffee beteiligt sind. Beginnend im Ursprung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum bolivianischer Spezialit\u00e4tenkaffee auf dem Kaffeemarkt (noch) eine eher kleine Rolle spielt, \u00fcber sein Potential, und was die gef\u00e4hrlichste Stra\u00dfe der Welt damit zu tun hat. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":10,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[13,11,9,10,12],"class_list":["post-9","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-bolivien","tag-la-paz","tag-road-of-death","tag-todesstrasse","tag-yungas"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9\/revisions\/11"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}