{"id":51,"date":"2023-08-16T14:04:29","date_gmt":"2023-08-16T12:04:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/?p=51"},"modified":"2023-08-16T14:09:43","modified_gmt":"2023-08-16T12:09:43","slug":"verschiedene-realitaeten-hugo-und-marina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/?p=51","title":{"rendered":"Verschiedene Realit\u00e4ten &#8211; Hugo und Marina"},"content":{"rendered":"\n<p>Auf 1.700m H\u00f6he, Uni\u00f3n Tunari, wenig Feuchtigkeit. Trockenes, k\u00fchles Mikroklima.<\/p>\n\n\n\n<p>Taipiplaya ist das kleine Dorf, in dem die Kooperative Asocaf\u00e9 beheimatet ist. Hier gibt es ein paar \u201eTiendas\u201c, kleine Shops mit den wichtigsten Dingen, die man im Allrag braucht, und wenige Restaurants (Mittagessen muss bis 12 Uhr bestellt werden, sonst bleibt nichts \u00fcbrig). Die einladende Plaza ist von Palmen ges\u00e4umt. 300m davon entfernt ist das B\u00fcro von Asocaf\u00e9.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier gibt es eine kleine R\u00f6stmaschine, bolivianischer Eigenbau. Einen Tisch zum Cuppen, ein B\u00fcro mit allen Unterlagen und Archiven der Mitglieder(Lagepl\u00e4ne und Bio-Zertifizierungen) und ein B\u00fcro f\u00fcr die Finanzen und Abrechnungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mitglieder der Kooperative wohnen nicht in diesem Dorf, sondern in 40 kleinen Gemeinden rundherum. Taipiplaya erstreckt sich \u00fcber drei verschiedene Ebenen, von den Einheimischen \u201enivel bajo\u201c (900 \u2013 1.200m \u00fc NN), \u201enivel medio\u201c (1.200 \u2013 1.600m \u00fc NN) und \u201enivel alto\u201c(1.600 \u2013 2.000m \u00fc NN) genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Je nach H\u00f6henlage sind die Mikroklimata sehr unterschiedlich, die Kaffeekirschen reifen mehr oder weniger schnell und die Produzent:innen haben mit verschiedenen Herausforderungen zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben Hugo Saqua und Marina Quento in der Gemeinde Uni\u00f3n Tunari besucht. Das Paar ist seit 10 Jahren Mitglied der Kooperative, schon Hugos Vater hat auf diesem Grundst\u00fcck Kaffee angebaut. Marco, Agronom und unser Kooperationspartner bei Asocaf\u00e9, n\u00e4hert uns mit dem Auto ans Grundst\u00fcck an, doch die letzten Schritte m\u00fcssen zu Fu\u00df zur\u00fcckgelegt werden. Auf dem Weg begegnen wir einem Wildschwein, das sich aber schnell vor uns ins Geb\u00fcsch fl\u00fcchtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon auf dem schmalen Pfad zu Marinas und Hugos Grundst\u00fcck sehen wir einige Kaffeepflanzen. Haupts\u00e4chlich gr\u00fcn ranken die Kaffeekirschen noch an den \u00c4sten. Hier in der H\u00f6he reifen die Kaffeekirschen sp\u00e4ter als unten. Dennoch: normalerweise ist der Juli und August hier in der H\u00f6he Haupterntesaison. Zu gr\u00fcn scheinen die Kirschen Mitte Juli und die Familie wird uns sp\u00e4ter best\u00e4tigen: durch die Trockenheit im Dezember und Januar sind die Kirschen noch nicht gereift. Die wenigen roten und gelben sind sehr klein. Keine guten Umst\u00e4nde f\u00fcr das Produzenten-Ehepaar, deren Jahreseinkommen zu 80% von der Kaffee-Ernte abh\u00e4ngt. 10 Hektar haben die beiden, das ist relativ viel im Vergleich mit anderen Mitgliedern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Sohn Cristian hilft w\u00e4hrend der Winterferien bei der Ernte. Diesmal jedoch sind die Ferien eher entspannt f\u00fcr ihn. So wenige Kirschen sind momentan reif, dass Marina und Hugo alleine ernten k\u00f6nnen. \u201eIch baue hier seit 10 Jahren Kaffee an\u201c, erz\u00e4hlt Hugo. \u201eUnd so lange bin ich auch schon Mitglied in der Kooperative. Davor hat schon mein Vater Kaffee angebaut. Es gab gute Jahre.\u201c Dieses Jahr, ahnt Hugo, wird wohl nicht so gut werden. Er hat wohl nicht mit dem sp\u00e4ten Reifen und der extremen Sonneneinstrahlung gerechnet, jedenfalls hat er vers\u00e4umt genug zu d\u00fcngen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEinige meiner Pflanzen haben diese trockenen Kirschen, die sind zu nichts mehr zu gebrauchen\u201c, zeigt er uns. \u201eDas muss wohl das starke Sonnenlicht sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, sagt Marco; das starke Licht, das auf die ungesch\u00fctzten Pflanzen f\u00e4llt; dazu die Trockenheit im Boden und der Fakt, dass viele von Hugos und Marinas Pflanzen schon mehr als 10 Jahre alt sind. \u201eihr m\u00fcsst mehr mit dem Biod\u00fcnger d\u00fcngen, der erlaubt ist.\u201c, mahnt Marco. \u201eAber jetzt ist es schon zu sp\u00e4t. Ihr h\u00e4ttet direkt im Januar nach der unnormalen Trockenheit anfangen sollen zu d\u00fcngen. Mit derselben Kaffeeschale, die wir unten bei der Kooperative nach dem Entpulpen \u00fcbrighaben. Das ist der nat\u00fcrlichste D\u00fcnger.\u201c Es sind au\u00dferdem noch 3 handels\u00fcbliche, pflanzliche Biod\u00fcnger erlaubt. Mehr nicht, denn die Kooperative ist BIOLATINA-zertifiziert und Kontrollen finden jedes Jahr bei verschiedenen Produzent:innen statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hugo hat sich die letzten Jahre auf das eher k\u00fchlere Mikroklima auf dieser H\u00f6he verlassen. Aber so k\u00fchl ist das gar nicht mehr, vor allem gepaart mit der Trockenheit ist es gef\u00e4hrlich f\u00fcr die Pflanzen. Marina und Hugo haben bereits neue, junge Pflanzen gesetzt in der Hoffnung, dass diese mehr Fr\u00fcchte tragen, weil der Boden hier noch nicht so ausgelaugt ist. Eine Sache m\u00fcssen sie allerdings beachten: Schattenb\u00e4ume. Sogar hier oben, denn es ist sehr trocken und die Schattenb\u00e4ume sind die einzige Chance, Feuchtigkeit im Boden zu behalten wo aufgrund der steilen H\u00e4nge kein Bew\u00e4sserungssystem m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>ASOCAFE gibt regelm\u00e4\u00dfig Schulungen in Taipiplaya f\u00fcr seine knapp 300 Mitglieder. Die Pr\u00e4senzquote bei diesen Schulungen liegt jedoch meist bei unter 10%. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind schlechte Erreichbarkeit (in den Augen einiger Produzent:innen mach es nur Sinn, wenn man auf dem \u00fcber 90-min\u00fctigen Weg zumindest auch Kaffee bei der Kooperative abladen kann, der dann dort weiterprozessiert wird. So kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.) Bzw. haben manche Familien andere Priorit\u00e4ten: oft fehlen H\u00e4nde zum Ernten oder es m\u00fcssen noch andere Dinge geerntet werden wie Mandarinen oder Avocados. Die Ernte, die in dem Moment zu direktem Einkommen f\u00fchrt, hat immer Vorrang vor jeglicher Schulung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dies ist auch ein sxh\u00f6nes Beispiel f\u00fcr eine Grund-Mentalit\u00e4t des bolivianischen Volkes: denke nicht an die Zukunft \u2013 lebe im Jetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir beschreiben hier nur eine Realit\u00e4t von vielen. Unsere Besuche bei verschiedenen Produzent:innen m\u00f6chten wir hier m\u00f6glichst neutral schildern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir portraitieren Hugo und Marina, zwei Mitglieder der Kooperative Asocafe, und schildern unseren Besuch bei Ihnen im Juli.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":54,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,15,24],"tags":[5,21,16],"class_list":["post-51","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-anbau","category-nachhaltigkeit","tag-direkthandel","tag-rohkaffee","tag-specialty-coffee"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=51"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51\/revisions\/58"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/54"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=51"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=51"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.caraya-coffee.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=51"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}